Ayurveda, TCM und Humoralpathologie

Bestimmt haben die meisten schon mal von Ayurveda gehört. Das ist eine altertümliche indische Ernährungslehre, die heutzutage in Deutschland relativ beliebt ist. Eben so TCM (Traditionelle Chinesische Medizin), auf deren Basis momentan eine „5-Elemente-Ernährung“ in Mode ist. Gemeinsam ist diesen Lehren die Einteilung von bestimmten Nahrungsmitteln nach „Temperaturen“ und oft auch die Bestimmung von verschiedenen Menschen-Typen mit Essensempfehlungen für diese. Auch zeichnet diese Lehren aus, dass sie empfehlen, für besseren Verdauung bevorzugt Gekochtes zu essen und von Rohkost eher abraten.

Was viele nicht wissen, ist, dass es auch in Europa früher eine solche alte Ernährungslehre gab, mit ganz ähnlichen Charakteristiken wie Ayurveda und TCM-Ernährung: die Humoralpathologie („Vier-Säfte-Lehre“). Ihr Ursprung liegt im arabischen Raum der Antike – vermutlich gab es eine gegenseitige Beeinflussung mit der indischen und chinesischen Lehre. Bis zum Aufkommen der modernen Wissenschaft hatte die Humoralpathologie einen großen Einfluss auf manche Ernährungsgewohnheiten in Deutschland. Nahrungsmittel wurden als „warm“, „kalt“, „feucht“ oder „trocken“ kategorisiert und es wurde vorausgesetzt, dass erfahrene Köche die Lebensmittel so kombinieren konnten, dass sie sich gegenseitig ausglichen. Es wurde angenommen, dass nur so das Essen die Körpersäfte im Gleichgewicht halten konnte und gesund war.

Diesen „Trend“ und medizinische Meinung des Mittelalters (der vielleicht manchen durch Hildegard von Bingen bekannt ist) müssen wir im Hinterkopf behalten, wenn wir uns deutsche Rezepte aus jener Zeit anschauen. Dies begründet nämlich, warum damals so viel totgekocht und mit den merkwürdigsten, exotischen Gewürzkombinationen versehen wurde. Gleichzeitig müssen wir bedenken, dass es immer einen Unterschied zwischen den Ernährungsgewohnheiten der Oberschicht und der einfachen ländlichen Bevölkerung gab. Das Landvolk hatte vermutlich nicht viel Ahnung von den Ernährungsempfehlungen der Humoralpathologie und konnte sich auch gar nicht die importierten exotischen Gewürze der Oberschicht leisten. Deshalb hielt es sich einfach weiterhin an das, was sich jahrhunderte lang bewährt hatte, mit dem Ergebis, dass noch unsere Ur-Großeltern im Frühling bestimmte Wildkräuter für rohe Salate sammelten, um mit ihnen als Ergänzung zur täglichen Nahrung bestimmte Krankheiten wie Skorbut vorzubeugen.

Was ich mit diesem Beitrag sagen möchte, ist, dass die Geschichte sich auch in Sachen Ernährung wiederholt. Es gab schon immer von Medizinern als gesund erachtete Ernährungstheorien, die bestimmt auch in mancher Hinsicht hilfreich waren, sich jedoch letztendlich nicht auf Dauer durchsetzen konnten. Solche Trends müssen dennoch bei der Recherche nach Traditioneller Ernährung berücksichtigt werden.

(Quelle Foto: https://www.naturheilpraktik-loser.ch)

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