Weston Price als Pionier: Wie (Zahn-)Gesundheit, Gesichtsstruktur und Ernährung zusammenhängen

Hallo Leute, ich habe das Feedback bekommen, dass manche meiner Beiträge zu viel Hintergrundwissen voraussetzen und deshalb schwer verständlich sind. Entschuldigt dies bitte. Heute möchte ich die Ergebnisse der Studie von Weston Price möglichst einfach zusammenfassen, da sie die Grundlage von vielem sind, was ich hier bespreche. Bitte teilt mir doch nach dem Lesen ehrlich mit, was eure Gedanken dazu sind. Ist es eurer Meinung nach logisch und nachvollziehbar, oder vollkommener Schwachsinn? :)
Die gegenwärtig bekannteste Forschung zur Traditionellen Ernährung, wie sie vor der Industrialisierung und später auch noch bei isoliert lebenden Völkern zu beobachten war, stammt vom Amerikanischen Zahnarzt Weston A. Price. Diesem war im Verlauf seiner Zahnarzt-Karierre aufgefallen, dass sich der Zahn- und Allgemeingesundheits-Zustand seiner Patienten innerhalb von 40 Jahren enorm verschlechtert hatte. Seinen Vermutungen nach lag dies an der Einführung neuer Ernährungsgewohnheiten durch die Industrialisierung. Um seine Theorie zu belegen, bereiste er als Rentner zusammen mit seiner Frau ab 1931 die Welt und untersuchte isoliert lebende Völker. Er suchte nach den Faktoren, die einen guten Gesundheitszustand bedingen und in der modernen Welt fehlten. Price beschrieb seine Beobachtungen und Ergebnisse im 1939 erschienenen Buch „Nutrition and Physical Degeneration“. Ich finde, dass seine Studie sehr ausführlich war und eigentlich ausschliesst, dass es sich bei den Ergebnissen um reine Zufälle handelt. Aber ich verlinke sie noch einmal am Ende, damit sich jeder ein eigenes Bild machen kann.
Price besuchte auf seinen Reisen elf verschiedene Kulturen in Mittel- und West-Europa, Nord- und Südamerika, Ozeanien, Afrika und Australien. Innerhalb dieser besuchte er je mehrere Gruppen (z.B. in Form von Dörfern oder Stämmen). Innerhalb jeder Gruppe wiederum untersuchte er sowohl die isoliert traditionell lebenden Menschen, als auch jene aus derselben Gruppe stammende, die in Städte abgewandert waren oder anderweitig eine moderne Lebensweise angenommen hatten. Innerhalb von diesen Gruppen untersuchte Price unter anderem die Zähne und notierte, wie viel Prozent von Karies befallen waren. Außerdem dokumentierte er durch Fotos Zahnfehlstellungen und die veränderten Gesichtsstrukturen.
Zu jener Zeit, als Price Anfang etwa ab 1931 diese Reise unternahm, waren Rassentheorien noch weit verbreitet. Um zu beweisen, dass seine Ergebnisse nichts mit der Rasse der untersuchten Menschen, sondern lediglich mit deren Lebensweise zu tun hatten, wählte er die oben beschriebenen Vergleichsgruppen aus. Weiterhin ist zu erwähnen, dass zu jener Zeit in keiner der Gruppen Zahnbürsten mit Zahnpasta benutzt wurden, maximal wurden bestimmte Pflanzen gekaut.
Die beeindruckendste Beobachtung von Price, die er in allen untersuchten Kulturen feststellte, war Folgende:
  1. Diejenigen Menschen, die noch isoliert und traditionell lebten, wiesen keine Zahnfehlstellungen auf. Die Kiefer hatten sogar genug Platz für die Weisheitszähne. Dadurch erschienen die Gesichter breiter. Außerdem beobachtete er nur eine minimale Prozentzahl an Karies, wobei diese je nach Gruppe etwas unterschiedlich ausfiel. Auch ältere Menschen hatten noch intakte Zähne. Außerdem gab es keine Fälle der damals weit verbreiteten Krankheit Tuberkulose.
  2. Diejenigen Menschen, die aus jener isolierten Gruppe, also also demselben Dorf oder Stamm wie die in 1) beschriebenen, abgewandert waren oder anderweitig eine moderne Lebensweise angenommen hatten, wiesen immer noch eine weite Geschichtsstruktur mit genug Platz für alle Zähne auf. Allerdings hatten diese Menschen eine hohe Prozentzahl an von Karies befallenen Zähnen, bzw. fehlten viele oder im Alter fast alle Zähne. Auch war Tuberkulose nun verbreitet.
  3. Diejenigen Kinder, die den in 2) beschriebenen geboren waren (deren Vorfahren also immer noch ausschließlich aus in 1) beschriebenem Dorf/Stamm stammten), hatten erstmals mehr oder weniger starke Zahnfehlstellungen, verursacht durch zu schmale Kiefer ohne genug Platz für alle Zähne, und schon gar nicht für die Weisheitszähne. Auch sie wiesen eine hohe Prozentzahl an Karies auf.
Price untersuchte ebenfalls die Nährstoff-Zusammensetzung der Ernährung isoliert lebender und modernisierter Gruppen. Er stellte dabei unter anderem fest, dass die Nahrung der Urvölker mindestens viermal so viel Mineralien und Calcium und mehr als zehnmal so viele fettlösliche Vitamine enthielt wie die modernisierte Ernährung. Laut der Hypothese von Price trug eine solche nährstoffreiche Ernährung zur Verhinderung von Krankheiten wie Karies und Tuberkulose bei.
Mit diesem Hauptergebnis seiner Studie konnte Price erstmals belegen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen (Zahn-)Gesundheit, Kiefer- und Gesichtsstruktur und Ernährung, und dass Karies und Zahnfehlstellungen durch zu schmale Kiefer nicht rein genetisch sind.
Gegenwärtig gibt es viele, fast nur amerikanische und nicht immer logische Interpretationen des Werkes von Weston Price. Wie immer ist deshalb zu empfehlen, direkt das Original zu lesen und sich seine eigenen Gedanken dazu machen. „Nutrition and Physical Degeneration“ kostenlos online lesen (auf Englisch): http://gutenberg.net.au/ebooks02/0200251h.html
*
Ihr könnt mir glauben, dass ich mich in letzter Zeit sehr intensiv mit Kieferorthopädie beschäftigt habe um zu verstehen, wie es zu den von Price beschriebenen Ergebnissen kommen konnte. Für besseres Verständnis, wie es bei den Nachkommen der modernisierten Gruppe zu ungünstigen Gesichtsstrukturen und Zahnfehlstellungen kommen konnte, möchte ich kurz auf die Umstände eingehen, welche Auswirkungen auf die Kieferentwicklung haben:
  • Mundatmung: Die modernisierten Kinder waren unter anderem durch Industrieprodukte und übermäßigen Zuckerkonsum mangelernährt. Sie litten erstmals an chronischen Krankheiten wie Allergien, die zu einer verstopften Nase führen können. Die dadurch praktizierte Mundatmung führt zu einer unnatürlichen Position der Zunge, was sich negativ auf die Gesichtsentwicklung auswirkt. Der so entstandene zu schmale Kiefer weist nicht mehr genug Platz für alle Zähne auf. Das ist alles wissenschaftlich bewiesen, weshalb gute Kieferorthopäden ihre Patienten zum Logopäden schicken, um die richtige Zungenposition und das Atmen durch die Nase zu erlernen. Das wiederum hat auf Dauer eine positive Auswirkung auf die Gesichtsstruktur, sodass mehr Platz für alle Zähne vorhanden ist.
  • Kauen: Die traditionelle Ernährung wies viel mehr hart zu kauende Lebensmittel wie altes Brot oder getrocknetes Fleisch, mancherorts sogar Knochen auf. Der Konsum von ausschließlich weicher Nahrung kann nämlich ebenfalls zu Zahnfehlstellungen führen.
  • Stillen: Gestillt werden trainiert durch Saugen bei Babies Oberkiefer und Zunge und führt dazu, dass dieser sich weit genug entwickelt und somit genug Platz für alle Zähne gibt. Bei Fläschchen-Nahrung müssen sich Babies viel weniger anstrengen, um an die Flüssigkeit zu kommen, wodurch Oberkiefer und Zunge nicht ausreichend beansprucht werden. Wobei es aus diesem Grund inzwischen auch spezielle Flaschenaufsätze gibt, die das Saugen absichtlich „erschweren“ und dadurch einen ähnlichen Effekt wie beim Stillen imitieren.
  • Körperhaltung: Eine krumme Nackenhaltung, wie sie durch körperliche Schwäche, oder heutzutage durch zu viel Computer- und Smartphone-Nutzung entsteht, kann unter anderem die Atemwege blockieren und zu erstbeschriebenem Problem mit Mundatmung und falscher Zungenposition führen (siehe Foto). Vielleicht erinnert sich noch jemand, dass früher viel Wert auf eine gerade „disziplinierte“ Körperhaltung gelegt wurde. Nun wissen wir, warum.
Ich werde versuchen, in Zukunft moderne Studien zu dem hier behaupteten zu finden. Aber bis dahin möchte ich ein sehr gutes Buch von 2018 vom australischen Zahnarzt Dr. Steven Lin empfehlen: „Mundum gesund – Die richtige Ernährung für Zähne und Immunsystem.“ Darin findet sich eigentlich alles, von dem ich hier gesprochen habe, mit wissenschaftlichen Belegen. Aus ihm stammt auch das hier verwendete Foto. Ich sage gleich dazu, dass ich nicht viel von Dr. Lins Ernährungsplan halte, aber die Theorie erklärt er super! :)
Ich freue mich auf eure kritischen Kommentare!

2 Kommentare zu „Weston Price als Pionier: Wie (Zahn-)Gesundheit, Gesichtsstruktur und Ernährung zusammenhängen

Gib deinen ab

  1. Meine „Ernährungsphilosophie“ ist ganz einfach und braucht solche Konstrukte gar nicht.

    Über Jahrtausende haben die Menschen mehr oder weniger isoliert gelebt. D.h. sie haben sich von dem ernährt was regional verfügbar war, also das, was in ihrer Nähe wuchs, kreuchte und fleuchte. Um diese regionalen Nahrungsquellen verwerten zu können, hat der Körper über viele Generation die dazu notwendigen körperlichen „Werkzeuge“ geschaffen und weitergegeben. Mit den Ergebnissen dieser Ernährung konnte und kann der Körper etwas anfangen. Jetzt kommen laufend neue „Nahrungsquellen“ hinzu, auf die unsere Körper nicht vorbereitet sind, dazu gehören „exotische Nahrungsmittel“, industriell vorbereitete und ergänzte Nahrung, aber auch extreme Ernährungsformen wie etwa vegan oder was es sonst an zum Teil abstrusen Ernährungsformen so gibt.

    Mein Rat: ernährt Euch von dem was regional verfügbar ist, also seit Jahrhunderten dort erzeugt wird und was Euch von dem schmeckt, vom Bauern, vom Bäcker, aus der Molkerei, vom Fleischer, meinetwegen ab und zu auch von der Brauerei. Beachtet dabei, dass wir pro Kilogramm Körpergewicht nur ca. 25 Kilokalorien zu uns nehmen sollten um unser Gewicht zu stabilisieren und freut Euch ansonsten einfach Eures Lebens.

    Es gibt KEINEN Grund für einen militanten Umgang mit unserer Ernährung. Wir haben das Glück in einer Zeit ohne Mangel zu leben, geniest es einfach.

    Einen schönen Sonntag in Erwartung des angekündigten Windes, R.

    Gefällt 1 Person

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